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Menschen stärken, die Verantwortung tragen: Warum ich diesen Blog schreibe

Rettungsdienst ist ein medizinischer Beruf.

Aber eben nicht nur.


Menschen im Rettungsdienst treffen Entscheidungen unter Zeitdruck, kommunizieren mit Menschen in Ausnahmesituationen, arbeiten in wechselnden Teams, übernehmen Verantwortung, erleben Konflikte, begleiten Auszubildende, führen Mitarbeitende und müssen mit Situationen umgehen, die sich nicht sauber in Algorithmen, Leitlinien oder Dienstanweisungen sortieren lassen.


Sie arbeiten mit Menschen.

Und sie sind selbst welche.

Genau dort beginnt mein Interesse.


Mein Name ist Fee Pohlmann. Ich beschäftige mich mit Resilienz, Kommunikation, Führung, Generationenmanagement, Deeskalation, Reflexion und Persönlichkeitsentwicklung. Ich entwickle Trainings, Workshops und Bildungskonzepte, unterrichte und schreibe Bücher. Dabei interessiert mich nicht nur, was Menschen wissen müssen, sondern was ihnen ermöglicht, dieses Wissen unter realen Bedingungen tatsächlich anzuwenden.


Denn zwischen Wissen und Handeln liegt manchmal ein erstaunlich großes Stück Mensch.



Warum ausgerechnet Rettungsdienst?


Wer sich mit dem Rettungsdienst beschäftigt, könnte sehr viel über Medizin schreiben. Über Algorithmen, Krankheitsbilder, Medikamente, Leitlinien und Versorgungskonzepte.


Das können andere besser als ich.


Mich interessiert etwas anderes.


Mich interessiert, was passiert, wenn der Mensch hinter der Qualifikation unter Druck gerät.

Was passiert mit Kommunikation, wenn Stress steigt?

Warum funktionieren manche Teams hervorragend und andere zerreiben sich an

Konflikten, obwohl alle Beteiligten fachlich kompetent sind?

Was macht Führung schwierig, wenn eine Wachleitung gleichzeitig Kollege, Vorgesetzter, Vermittler und Vertreter organisationaler Entscheidungen sein soll?

Warum wird ein Fehler in einem Team offen angesprochen und in einem anderen möglichst elegant verschwiegen?

Was passiert, wenn mehrere Generationen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Arbeit, Autorität, Feedback und Verantwortung aufeinandertreffen?

Warum kann jemand theoretisch genau wissen, wie Deeskalation funktioniert, und sich trotzdem von einem aggressiven Gegenüber provozieren lassen?

Und warum sprechen wir bei Belastung so häufig darüber, wie Menschen resilienter werden können, bevor wir fragen, unter welchen Bedingungen sie eigentlich arbeiten?


Das sind meine Themen.


Nicht am Rand des Rettungsdienstes.


Sondern mitten darin.



Medizinische Kompetenz allein macht noch kein funktionierendes System


Ein Rettungsdienst kann hervorragend ausgebildete Fachkräfte beschäftigen und trotzdem Probleme haben.


Wenn Kommunikation nicht funktioniert.

Wenn Führung unklar bleibt.

Wenn Konflikte über Jahre mitgeschleppt werden.

Wenn Auszubildende lernen, lieber nichts zu fragen.

Wenn erfahrene Mitarbeitende ihr Wissen nicht weitergeben.

Wenn Veränderungen grundsätzlich als Angriff auf Bewährtes verstanden werden.

Wenn junge Kollegen Erfahrung mit Rückständigkeit verwechseln und erfahrene Kollegen neue Perspektiven mit mangelndem Respekt.

Wenn Menschen nach belastenden Situationen funktionieren, aber niemand mehr fragt, was dieses Funktionieren eigentlich kostet.


Fachkompetenz bleibt unverzichtbar.


Aber professionelle Versorgung entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie entsteht in sozialen Systemen, unter organisationalen Bedingungen und zwischen Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen, Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Belastungsgrenzen mitbringen.


Wer über Qualität im Rettungsdienst sprechen möchte, sollte deshalb nicht nur über medizinische Qualität sprechen.



Mich interessieren keine einfachen Antworten auf komplexe Probleme


„Die Generation Z will nicht mehr arbeiten.“

Zu einfach.


„Die Führung ist schuld.“

Auch.


„Die Leute müssen resilienter werden.“

Ebenfalls.


„Wir brauchen einfach bessere Kommunikation.“

Schön wäre es.


Komplexe Systeme haben die unangenehme Eigenschaft, dass ihre Probleme selten nur eine Ursache besitzen. Individuelles Verhalten, Teamdynamik, Führung, Organisationsstrukturen, gesellschaftliche Veränderungen und persönliche Erfahrungen wirken gleichzeitig.

Das macht Analyse schwieriger.

Aber auch ehrlicher.


Deshalb wird dieser Blog nicht nach dem Prinzip funktionieren, für jedes Problem fünf Tipps bereitzuhalten.

Manche Probleme brauchen keine Tipps.

Sie brauchen zunächst eine vernünftige Frage.



Resilienz ist für mich keine Durchhalteparole


Resilienz gehört zu meinen zentralen Themen. Gerade deshalb halte ich wenig von einer Vorstellung, nach der resiliente Menschen möglichst viel aushalten können.

Menschen sind keine Maschinen, deren Belastbarkeit man durch ein Seminar so lange optimiert, bis sie auch unter schlechten Bedingungen wieder zuverlässig funktionieren.

Individuelle Regulation ist wichtig. Menschen können lernen, Stressreaktionen besser zu verstehen, eigene Muster zu erkennen, Grenzen wahrzunehmen und ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.


Aber persönliche Kompetenz ersetzt keine organisationale Verantwortung.

Ein Atemtraining behebt keinen Personalmangel.

Selbstreflexion ersetzt keine gute Führung.

Und ein Resilienzworkshop macht dauerhaft schlechte Arbeitsbedingungen nicht plötzlich gesund.


Wer Resilienz ernst nimmt, muss deshalb über den einzelnen Menschen hinausdenken.

Über Teams.

Über Führung.

Über Arbeitsbedingungen.

Über Erholung.

Über Verantwortung.

Und über die Grenze zwischen dem, was ein Mensch selbst beeinflussen kann, und dem, was eine Organisation verändern muss.



Führung interessiert mich gerade dort, wo sie schwierig wird


Über Führung lässt sich hervorragend sprechen, solange niemand geführt werden muss.


Im Alltag wird es komplizierter.


Dann müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht allen gefallen. Konflikte müssen angesprochen werden. Erwartungen müssen formuliert und Grenzen gesetzt werden. Mitarbeitende möchten verstanden werden, Organisationen erwarten Ergebnisse und irgendwo dazwischen steht eine Führungskraft, die ebenfalls ein Mensch ist.


Gerade im Rettungsdienst sind Führungsrollen häufig anspruchsvoll. Eine Wachleitung kann Teil des Teams sein und gleichzeitig Führungsverantwortung tragen. Aus Kollegen werden Mitarbeitende. Aus gemeinsamen Beschwerden über „die da oben“ werden plötzlich Entscheidungen, die man selbst vertreten soll.


Mich interessiert deshalb keine idealisierte Führung.

Mich interessiert Führung unter realen Bedingungen.

Was kann eine Führungskraft beeinflussen?

Was nicht?

Wo braucht es persönliche Entwicklung?

Wo klare Strukturen?

Und wo erwarten Organisationen von Führungskräften etwas, ohne ihnen die notwendigen Möglichkeiten dafür zu geben?



Ich möchte Generationen verstehen, nicht gegeneinander ausspielen


Kaum ein Thema eignet sich derzeit so hervorragend für pauschale Urteile wie Generation Z.

Die Jungen sind zu empfindlich.

Die Alten sind unflexibel.

Die einen wollen nicht arbeiten.

Die anderen verstehen die moderne Arbeitswelt nicht.

Damit könnte man vermutlich sehr lange weitermachen.

Nur bringt es niemanden weiter.


Generationen entstehen unter unterschiedlichen gesellschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Menschen entwickeln daraus unterschiedliche Erwartungen an Arbeit, Autorität, Kommunikation, Feedback und persönliche Entwicklung.


Das kann Konflikte erklären.

Es entschuldigt nicht jedes Verhalten.


Eine junge Mitarbeiterin darf Erwartungen an gute Führung haben und muss trotzdem Verantwortung übernehmen. Ein erfahrener Kollege darf auf jahrzehntelanges Erfahrungswissen vertrauen und sollte trotzdem akzeptieren, dass Erfahrung keine Unfehlbarkeit erzeugt.


Mich interessiert genau dieser Zwischenraum.

Dort, wo Verständnis nicht mit Zustimmung verwechselt wird und Standards bestehen bleiben dürfen, obwohl sich Menschen verändern.



Kommunikation ist mehr als die richtigen Worte


Kommunikation wird gerne behandelt, als müsse man Menschen lediglich einige geeignete Formulierungen beibringen.


Dann bitte Ich Botschaften verwenden, aktiv zuhören, wertschätzend bleiben und das Kommunikationsproblem wäre weitgehend erledigt.

Menschen funktionieren leider nicht so ordentlich.


Kommunikation findet unter Stress statt. Zwischen Hierarchieebenen. In Konflikten. Mit Patienten, Angehörigen, Kollegen, Auszubildenden und Führungskräften. Sie wird beeinflusst von Erwartungen, Erfahrungen, Emotionen, Macht, Rollen und manchmal schlicht von einem Dienst, der bereits zehn Stunden zu lang erscheint.


Deshalb interessiert mich nicht nur, was gesagt wird.

Mich interessiert, warum es so verstanden wird.

Was unausgesprochen bleibt.

Warum Menschen in manchen Teams Fragen stellen und in anderen schweigen.

Warum eine gut gemeinte Aussage eskalieren kann.

Und warum ein Konflikt manchmal gar kein Kommunikationsproblem ist, sondern eine ungeklärte Verantwortung, die zwei Menschen seit Monaten miteinander austragen sollen.



Bildung bedeutet für mich nicht, Folien vor Menschen zu stellen


Wissen kann man vermitteln.

Lernen ist komplizierter.


Gerade in der beruflichen Bildung interessiert mich deshalb die Frage, was Menschen benötigen, damit aus Information tatsächlich Handlungskompetenz entsteht.


Dazu gehört Fachwissen.

Aber auch Reflexion.

Feedback.

Erfahrung.

Fehler.

Transfer.


Und ein Umfeld, in dem Lernen möglich ist, ohne dass Nichtwissen sofort als persönliches Defizit behandelt wird.


Praxisanleitende, Lehrkräfte und erfahrene Kollegen vermitteln weit mehr als Inhalte. Sie prägen berufliche Haltung. Oft in Situationen, in denen ihnen gar nicht bewusst ist, dass gerade gelernt wird.


Wie sprechen wir über Patienten?

Wie reagieren wir auf Fehler?

Wie gehen wir mit Unsicherheit um?

Wie behandeln wir jemanden, der etwas noch nicht kann?

Was passiert, wenn ein Auszubildender widerspricht?

Auch das ist Ausbildung.

Vielleicht sogar die wirksamere.



Für wen ich hier schreibe


Dieser Blog richtet sich an Menschen, die im Rettungsdienst Verantwortung tragen.

Und damit meine ich ausdrücklich nicht nur Menschen mit Führungsfunktion.

Notfallsanitäter und Rettungssanitäter tragen Verantwortung. Auszubildende entwickeln sie. Praxisanleitende tragen Verantwortung für Lernen und berufliche Sozialisation. Lehrkräfte für Bildung. Wachleitungen und andere Führungskräfte für Menschen und Strukturen. Organisationen für die Bedingungen, unter denen all diese Menschen arbeiten.


Auch Feuerwehr, Leitstelle, Pflege und andere Bereiche der Gefahrenabwehr und Gesundheitsversorgung werden an vielen Stellen Berührungspunkte finden.

Denn unterschiedliche Systeme haben unterschiedliche Aufgaben.

Menschen bleiben erstaunlich menschlich.



Was es hier nicht geben wird


Keine Durchhalteparolen, die strukturelle Probleme als persönliche Schwäche verkaufen.

Kein Generationenbashing.

Keine Führungsideologie, nach der jeder Konflikt mit genügend Wertschätzung verschwindet.

Keine Deeskalationsromantik, die Einsatzkräften vermittelt, jede aggressive Situation ließe sich mit dem richtigen Satz lösen.

Keine Fehlerkultur, in der Verantwortung plötzlich Konsequenzfreiheit bedeutet.

Und möglichst wenig von jener Sprache, die komplizierte Probleme sehr elegant beschreibt und danach niemandem hilft.


Ich möchte differenzieren.

Manchmal wird die Organisation Verantwortung tragen.

Manchmal die Führung.

Manchmal das Team.

Und manchmal liegt das Problem tatsächlich bei einem einzelnen Menschen.

Auch das muss ausgesprochen werden dürfen.



Warum ich diesen Blog schreibe


Weil Menschen, die Verantwortung für andere tragen, selbst Bedingungen brauchen, unter denen sie diese Verantwortung professionell tragen können.

Weil gute Arbeit nicht nur von Fachwissen abhängt.

Weil Teams nicht automatisch funktionieren, nur weil qualifizierte Menschen darin arbeiten.

Weil Führung eine Kompetenz ist und kein Titel.

Weil Belastbarkeit Grenzen hat.

Weil Kommunikation scheitern kann, obwohl alle Beteiligten gute Absichten haben.

Weil Erfahrung wertvoll ist und trotzdem hinterfragt werden darf.

Weil junge Menschen nicht automatisch das Problem sind und gleichzeitig nicht jede Erwartung einer neuen Generation vernünftig sein muss.

Weil wir über Fehler sprechen müssen, bevor Schweigen gefährlicher wird als der Fehler selbst.

Und weil Entwicklung dort beginnt, wo Menschen bereit sind, genauer hinzusehen.

Nicht, um alles infrage zu stellen.

Sondern um unterscheiden zu können, was bleiben sollte und was sich verändern muss.


Das ist der Anspruch dieses Blogs.

Menschen nicht einfach belastbarer zu machen.

Nicht gefälliger.

Nicht angepasster.


Sondern reflektierter, handlungsfähiger und klarer in der Verantwortung, die sie tragen.

Denn genau diese Menschen möchte ich mit meiner Arbeit stärken.

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